Warum wir diese Wohnungsgemeinschaften organisieren

Das Risiko, demenziell zu erkranken ist besonders für Hochaltrige nach wie vor unverändert hoch. Eine erfolgversprechende medikamentöse Therapie und Prophylaxe scheint derzeit nicht in Sicht zu sein. Um so mehr gewinnen sozio-therapeutische und rehabilitativ-pflegerische Umgangsformen mit dem Krankheitsbild der Demenz an Bedeutung. Dazu gehören neben der Unterstützung von pflegenden Angehörigen, die die Hauptlast der pflegerische Versorgung von Demenzkranken tragen, vor allem die Entwicklung krankheitsangemessener Unterbringungs- und Versorgungsformen.

Adäquate Wohnformen für demenziell erkrankte alte Menschen zu finden, ist schwierig. Angesichts der hohen und immer steigenden Anzahl von Demenzkranken ist die Entwicklung und Etablierung von angemessenen Wohn- und Betreuungsformen für diese Menschen allerdings dringend geboten. Seit geraumer Zeit weisen Experten immer wieder auf die Nützlichkeit kleinräumiger Wohn- und Betreuungsformen für demenziell erkrankte alte Menschen hin; dem gegenüber stehen aber auch heute noch fast ausschließlich Pflegeplätze in “traditionell” großen Einrichtungen für diesen Patientenkreis zur Verfügung.

Das Gros der Demenzkranken wird nach wie vor von ihren Angehörigen zu Hause versorgt.

Und dies in der Regel sieben Tage die Woche, rund um die Uhr und über viele Jahre hinweg. Hier ist dringend Entlastung geboten, denn viele dieser pflegenden Angehörigen schrecken angesichts des vorhandenen Angebots lange davor zurück, ihre erkrankten Anverwandten in die Obhut eines traditionellen Pflegeheimes zu geben. Diese Tatsache führt nicht nur zu erheblichen Belastungs- und Gesundheitsrisiken bei den pflegenden Angehörigen, sondern gefährdet obendrein die Ressource “familiäre Pflegebereitschaft”; sei es dadurch, dass Angehörige von vornherein abgeschreckt sind, Pflegetätigkeiten zu übernehmen oder irgendwann so “ausgebrannt” sind, dass sie beim besten Willen die pflegerische Tätigkeit nicht fortsetzen können.

Wohnungsgemeinschaften für demenziell erkrankte ältere Menschen gehören noch nicht zum sozialpflegerischen Alltag in Deutschland.

Als weitere Hürde erwies sich der enorme Organisationsaufwand, der nötig ist, eine ambulant betreute Wohnungsgemeinschaft ins Leben zu rufen und zu erhalten.

Die Effekte der ambulant betreuten WG`s für Demenzkranke

  • Vermeidung von Heimunterbringungen, die dem Krankheitsbild nicht angemessen sind;

  • Prävention durch optimalen Erhalt alltagsweltlicher Kompetenzen der demenziell erkrankten älteren Menschen. Das Leben in der betreuten Wohnungsgemeinschaft erlaubt und fördert die Beteiligung an allen Verrichtungen des Alltags (Einkaufen, Putzen, Bügeln, Haustiere versorgen, Essenszubereitung, usw.). Dies beinhaltet nicht nur den Erhalt motorischer und kognitiver Ressourcen, sondern vermeidet zudem Tendenzen zum Rückzug, Apathie und Depression.
  • Vermeidung von Psychopharmaka-Gaben. Hier soll nicht die Verordnung von Psychopharmaka pauschal verteufelt werden, doch die Erfahrungen aller bislang arbeitenden Wohnungsgemeinschaften zeigen, dass der Verzicht auf “dämpfende” Medikation nicht nur zu größerer Vitalität, offensichtlich besserem Wohlbefinden und nachlassender Inkontinenz führt, sondern auch “Begleitsymptome” von regelmäßiger Sedierung (z.B.: Neigung zu Stürzen, Druckstellen durch lange Liegezeiten, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme) deutlich zurückgehen. Dementsprechend können alle Wohnungsgemeinschaften auf eine geringe Zahl von Krankenhausaufenthalten der betreuten Demenzkranken verweisen.
  • Vermeidung von “Burn-Out”-Symptomen beim eingesetzten Pflegepersonal. Unser ganzheitliches Konzept garantiert motivierte, engagierte Mitarbeiter beim Pflegedienst. Regelmäßige Mitarbeiterschulung, Weiterbildung durch Lehrer für Pflegeberufe und andere Experten, individuelle Planung und Betreuung eines jeden Betroffenenen, die grundsätzliche Beschränkung der Wochenarbeitszeit in der “Demenz-WG” der Mitarbeiter auf dreißig Stunden führen dazu, dass die Pflegekräfte und die Betroffenen in den “Demenz-WGs” zufriedner sind und nicht selber überfordert werden.!
  • Vermeidung von Überforderung der pflegenden Angehörigen. Die Abneigung der pflegenden Angehörigen, ihre/n Erkrankte/n in ein Pflegeheim zu geben führt in aller Regel zu einer Überforderung der Pflegepersonen. Eine adäquate selbstbestimmte Beteiligung am Pflegeprozess kann durch eine betreute Wohnungsgemeinschaft gewährleistet werden. Unser Konzept bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich in den “Dienstplan” zu integrieren, soweit sie es können und wollen. Neben dem Erhalt der Pflegebereitschaft und der eigenen Gesundheit kann dies auch zu einer Reduzierung der pflegebedingten Kosten durch den verminderten Einsatz von Pflegepersonal führen.

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